Getreide, Mehl und Brot sind systemrelevant. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen – und zwar am besten seit vorgestern, darin sind sich die Verbände bei ihrem Spitzengespräch auf der Grünen Woche einig. Vom Acker bis zur Ladentheke steht die Wertschöpfungskette aktuell vor existenziellen Weichenstellungen.
Rohstoffsicherung: Qualität beginnt auf dem Acker
„Versorgungssicherheit beginnt auf dem Acker“, betont Dr. Peter Haarbeck, Geschäftsführer im Verband Deutscher Mühlen. 95 Prozent des Brotgetreides stammen aus heimischer Landwirtschaft. Praxisferne Dünge- und Pflanzenschutzvorgaben gefährden zunehmend diese Rohstoffbasis. „Wenn die Proteinqualität sinkt, droht die Abhängigkeit von Importen, was regionale Wertschöpfung schwächt und den CO2-Fußabdruck erhöht.“ Zudem brauche es schnellere Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel, um Pflanzen gesund zu halten, Erträge zu sichern und so die Ernährungssicherung gewährleisten zu können.
Energiefragen werden über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden
Zentrales Thema der Verbände ist Energie: Roland Ermer, Präsident des Bäckerhandwerks, verwies auf die 70 bis 80 Prozent der Betriebe, die noch mit Gas backen: „Wir brauchen Planungssicherheit und Zeit für den Umstieg, sonst riskieren wir die dezentrale Versorgung und die Existenz vieler Bäckereibetriebe.“
„Ohne Erdgas als Energieträger für Fermentation und Reinigung steht die Produktion etwa in der Hefeindustrie still. Steigende CO2-Preise gefährden zudem die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem EU-Ausland“, erklärt Wilko Quante, Vorsitzender vom Backzutatenverband.
Tobias Schuhmacher, Hauptgeschäftsführer des Verbandes deutscher Großbäckereien erklärt: „Die Energiekosten entscheiden darüber, ob Wertschöpfung in Deutschland bleibt. Deswegen braucht es verlässliche Stromversorgung und -preise für die energieintensive Branchen in der Wertschöpfungskette Backwaren. Das ist keine Subvention, sondern Schutz kritischer Infrastruktur.“
Bürokratie und Arbeitszeit: „Mut zur Vereinfachung“
Bürokratie und Regulierung dürfen Innovation nicht lähmen. Die Verbände fordern unisono den Mut zur Vereinfachung – insbesondere bei Dokumentationspflichten und im Arbeitszeitrecht. Wilko Quante lobte den EU-Omnibus-Prozess als ersten Schritt zu weniger belastender Bürokratie, forderte aber ein „Frühjahr der Reformen“. Man brauche „Good Governance statt Regelungswut“.
Ergänzend forderte Roland Ermer eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes: Weg von der täglichen, hin zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit sowie eine Ausweitung der erlaubten Backzeiten an Sonn- und Feiertagen, um der Lebensrealität moderner Betriebe gerecht zu werden.
Fachkräfte und Nachfolge sichern
Bettina Schliephake-Burchardt, Präsidentin des Konditorenbundes, warnte: Wenn die Hürden für Betriebsübergaben durch Bürokratie und hohe Lohnnebenkosten weiter steigen, werde es immer schwerer, junge Gründer für die Nachfolge zu begeistern. Sie forderte: „Regelungen in allen Bereichen mit Augenmaß, die einer Gründerkultur nicht entgegenstehen.“
Auch das Thema Fachkräftegewinnung bleibt in allen Branchen eine Herausforderung. Roland Ermer erklärte: „Wir brauchen endlich bessere berufliche Orientierung an Schulen, bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende und ein klares Bekenntnis zur Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung. Nur wenn junge Menschen gute Startbedingungen haben, sichern wir die Fachkräfte von morgen.“
Die Wertschöpfungskette Backwarenherstellung ist bereit zur Transformation, doch die Politik muss jetzt die „Stellschrauben drehen“. Ein „weiter so“ auf Kosten der Betriebe gefährdet langfristig das täglich Brot der Bürgerinnen und Bürger.
Starke Stimme für das Grundnahrungsmittel Nr. 1: Die Verbände der Wertschöpfungskette Backwarenherstellung
Der strategische Zusammenschluss aus Backzutatenverband, Deutschem Verband der Hefeindustrie, Deutschem Konditorenbund, Verband deutscher Großbäckereien, Verband Deutscher Mühlen und dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks bündelt die Interessen der gesamten Branche. Die Allianz ist der zentrale Ansprechpartner für Politik und Gesellschaft, um die flächendeckende und nachhaltige Versorgung Deutschlands mit hochwertigen Backwaren sicherzustellen.
Zum Download:
Pressemitteilung Backwarengipfel
Pressefoto Backwarengipfel: Wertschöpfungskette im Gespräch, vlnr: Peter Haarbeck, Helena Felixberger, Roland Ermer, Bettina Schliephake-Burchardt, Wilko Quante, Tobias Schuhmacher ©Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks

