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Wirtschaftliche Lage

Die wirtschaftliche Lage der Müllerei ist geprägt durch strukturelle und agrarpolitische Rahmenbedingungen sowie durch die aus dem Produkt resultierenden Möglichkeiten.

Die jetzige Struktur der deutschen Mühlenwirtschaft ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Veränderung. 1950/51 gab es in Deutschland 18.935 Mühlen, davon 14.562 im Gebiet der alten Bundesrepublik. Bis zum Wirtschaftsjahr 1980/81 war die Zahl auf insgesamt 2.560 Mühlen gesunken, davon 2.124 im Westen.

Heute gibt es in Deutschland rund 600 Mühlen, von denen 308 Mühlen mit einer Vermahlung von mindestens 500 t im Jahr meldepflichtig sind. 

 

Die einzelnen Größenklassen partizipieren an der Vermahlung mit folgenden Sätzen:

Übersicht Tabelle: Vermahlung

61 große Mühlen mit einer Jahresvermahlung von 25.000 t und mehr haben einen Anteil an der Gesamtvermarktung von 84,9 %. 272 Mühlen mit einer Jahresvermahlung zwischen 500 und 25.000 t besitzen einen Marktanteil von 15,1 %.

Die Ertragsseite der Müllerei wird beeinflusst von der Tatsache, dass für den Rohstoff Getreide aufgrund der EU-Agrarmarktordnung die staatlich reglementierten Preise prägend sind, wenn auch mit sinkender Bedeutung. Die Interventionsbedingungen beeinflussen Preisgestaltung und Verfügbarkeit des Brotgetreides, das die Mühlen benötigen, zumal der Import von Getreide aus Drittländern so gut wie keine Rolle spielt. Bei Weizen stammen immerhin rd. 5 % aus den Ländern der Europäischen Union, während bei Roggen fast die gesamte Verarbeitungsmenge inländischen Ursprungs ist.

Bild einer historischen Mühle

Auf der Absatzseite herrscht bilden sich die Preise für Mehl, Grieß, Dunst und Schrot nach Angebot und Nachfrage, wobei die Konzentration auf Abnehmerseite, insbesondere bei der Brotindustrie und im Lebensmittelhandel, zu einem starken Wettbewerb führt. Dieser wird noch dadurch verstärkt, dass nur rd. 5 % der Mahlerzeugnisse an den privaten Endverbraucher abgesetzt werden, wo sich eine gewisse Markenbindung herausbilden konnte. 90 % des Inlandsabsatzes deutscher Mühlen gehen an Backbetriebe (davon rd. 1/3 Industrie und 2/3 Handwerk), die restlichen 5 % an Stärke- und Teigwarenfabriken.

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Mahlerzeugnissen liegt bei rd. 65,7 kg. Davon entfallen gut 56,8 kg auf Weichweizen- und gut 8,9 kg auf Roggenmehle. Während der Pro-Kopf-Verbrauch an Roggen seit den 50er Jahren fast kontinuierlich gesunken ist, ist bei Weizen seit Anfang der 70er Jahre - damals wurden rd. 42 kg verzehrt - ein positiver Trend festzustellen. Die Absatzmöglichkeiten deutscher Mühlen unterliegen nur geringen saisonalen Schwankungen, sind aber auch kurz- und mittelfristig kaum ausbaufähig, zumal die Exportmöglichkeiten außerhalb der EU in starkem Maße von den politischen Rahmenbedingungen beeinflusst werden. Insgesamt kann die Nachfrage nach Müllereierzeugnissen als weitgehend preisunelastisch betrachtet werden.

Bild einer modernen Mühle

Neben rd. 6,25 Mio. t Mahlerzeugnissen für die menschliche Ernährung werden auch rd. 1,5 Mio. t Mühlenfuttermittel hergestellt, die als Kleie, Grießkleie, Nachmehl und Futtermehl an die Mischfutterhersteller geliefert werden und somit in die Tierernährung gelangen. Mahlerzeugnisse nehmen in der Wertschöpfungskette - und damit auch bei den Ausgaben privater Haushalte - einen niedrigen Stellenwert ein, der der Bedeutung dieses gesunden und für die Ernährung wichtigen Lebensmittels in keiner Weise entspricht.

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