VDM-Mühlenfachtagung: Ein großer Erfolg in Fulda
30.03.2009
Die traditionelle Fachtagung des VDM im März in Fulda war mit knapp 100 Teilnehmern wiederum sehr gut besucht. Dieses Jahr stand die Veranstaltung im Zeichen der Neuausrichtung der PR-Arbeit für die Mühlen. Durch die Abschaffung des Absatzfondsgesetzes in Folge des Bundesverfassungsgerichtsurteils ergeben sich für die Branche neue Chancen. Aber auch die anderen vielfältigen Themen begeisterten die Teilnehmer.
Zunächst beschäftigte sich Fritz Albert, Kampffmeyer Mühlen GmbH Hamburg, mit den Auswirkungen des Absatzfondsurteils auf die Mühlenwirtschaft. Wohl niemand hatte eine Entscheidung in dieser Klarheit erwartet und einen „Plan B“ vorbereitet. Letztlich scheiterte die CMA an der fehlenden Akzeptanz der Beteiligten, so auch bei der Fleisch- und der Milchwirtschaft, die am meisten von dem Absatzfonds profitiert haben. Auch dort ist man der Ansicht, dass insbesondere die Auslandsaktivitäten effizienter alleine gesteuert werden können. Für eine Nachfolgeorganisation der CMA scheint kein Raum. Für die Mühlen hat sich die CMA in der Vergangenheit nur marginal ausgezahlt. Die Gebühren sind teilweise für schwer überblickbare „Overhead-Kosten“ verwandt worden, und von der Branche gewünschte Aktivitäten scheiterten häufig an den Restriktionen durch konkurrierende, beteiligte Branchen. In der Hauptsache kam der Branche die Arbeit der GMF zu Gute, da hier der VDM über die Bundesmühlenkontor GmbH mit beteiligt war. Die ZMP war für die Branche zu einem guten Teil sinnvoll, allerdings in dieser Größe überdimensioniert. Es bietet sich an, dass ein Teil der für die Branche notwendigen Aufgaben dieses Bereiches in Zukunft vom VDM durch die Erstellung entsprechender Statistiken erfüllt werden. Die Mühlen sparen durch die Abschaffung des Absatzfonds jährlich gut 3 Mio. € ein. Zwischenzeitlich hat die Mitgliederversammlung des VDM mit Hilfe der Kommission für Öffentlichkeitsarbeit und seines Vorstandes bereits die Weichen für die grundlegende Neuausrichtung der PR-Arbeit für die Mühlen zu stellen. Es wurde ein erforderlicher Etat-Rahmen, der effektive Maßnahmen und eine ausreichende Grundausstattung sicherstellt, beschlossen. Die Mittelerhebung beträgt für die Mühlen in Zukunft nur ein Achtel der Höhe der Absatzfondsabgaben. Über die Mittelverwendung entscheidet die Kommission für Öffentlichkeitsarbeit in enger Abstimmung mit dem VDM-Vorstand und der Mitgliederversammlung. Der VDM nimmt damit seine Chance wahr, mit weit weniger Mitteln im Vergleich zu den Absatzfondsbeiträgen eine gleichwohl effektivere PR-Arbeit für die Mühlen umzusetzen.
Danach stellte Prof. Dr. Franz Mühlbauer, Fachhochschule Weihenstephan, die Möglichkeiten und Ideen für eine neue Mühlen-PR vor. Er analysierte die Gründe, warum die CMA scheitern musste. Letztlich kann nur eine branchenspezifische Ausrichtung der PR-Arbeit funktionieren. Er beschrieb die Zielsetzung einer neuen Mühlen-PR: Zu der nach außen gerichteten PR-Öffentlichkeitsarbeit gehört der Aufbau und die Sicherung eines positiven Images in der gesamten Öffentlichkeit durch Schaffung und Steigerung von Bekanntheit im positiven Sinn, auch als Gegengewicht zu eventuellen negativen Meldungen von aggressiven Verbraucherschutz-Organisationen, wie sie jede Ernährungsbranche treffen können. Weiterhin gehört dazu die Unterstützung der Marktposition von Getreideprodukten in Richtung der Konkurrenzmärkte. Die nach innen gerichtete PR gehört ebenfalls dazu, welche Vertrauen in das Spektrum der Service-Leistungen des Verbands und seiner Dienstleistungsorganisationen stärkt. Auch gehören die Schadensbegrenzung im Krisenfall und die indirekte Absatzförderung für die Unternehmen dazu. Als nach wie vor wichtig ist die Mühlen-PR in Richtung der Zielgruppe der Endverbraucher anzusehen: Die personelle Aufklärung über die Bedeutung von Getreide, Mehl und Brot in der menschlichen Ernährung und in Bezug auf Multiplikatoren bei den Medien, darauf aufbauende personelle Ernährungsberatung und die Verbraucheraufklärung und Ernährungsberatung in Medienpaketen (Broschüren, Videos, E-Learning). Auch die Aufbereitung von neuen ernährungswissenschaftlichen Forschungsergebnissen für die Mitteilungen in Zeitschriften und Zeitungen für Lehrer, Ärzte und Verbraucherberatungsinstitutionen bleiben eine wichtige Aufgabe, ebenso wie die Erstellung von interessanten Unterrichtshilfen als Multimediapakete für Schulen, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen.
Aus Sicht des PR-Experten gehören Marktforschung, eine klare Strukturierung nach Zielgruppen und durchschlagende Ideen für eine neue, außengerichtete Mühlen-PR dazu. Grundlegend ist die Schaffung eines positives Branchenimages, das verschiedenen Zielen dient: der Nachwuchsgewinnung und damit Zukunftssicherung der Branche, der Durchsetzung berechtigter Mühleninteressen auf politischer Ebene und nicht zuletzt auch der Absatzförderung. Auch die bewährte und erfolgreiche Ernährungsberatung über Multiplikatoren ist nicht zu vernachlässigen. Zum Nulltarif ist dies alles zwar nicht zu haben, aber es ist mit einem Bruchteil des Absatzfondsgeldes möglich und muss beherzt angegangen werden, um den Mühlen Gehör zu verschaffen.
Andreas Kappel, Duales System Deutschland, stellte die neuen gesetzlichen Anforderungen durch die 5. Verpackungsverordnungsnovelle sowie den Entsorgungsvertrag mit dem VDM dar. Die Mühlen sind - wie alle Unternehmen - seit dem 1.1.2009 dazu verpflichtet, für die ordnungsgemäße Entsorgung aller von ihnen in Verkehr gebrachter Verpackungen zu sorgen. Für die Verpackungen, die beim privaten Endverbraucher und kleinen Gewerbekunden anfallen, gilt zudem die gesetzliche Verpflichtung zur Teilnahme an einem Dualen System. Der Referent ging insbesondere auf das neue Nachweisverfahren in Form der Vollständigkeitserklärung ein, welche die Mühlen, die mehr als 50 t Papier/Pappe/Karton als Verpackungen in Umlauf bringen, zu den erforderlichen Angaben über die Entsorgung verpflichtet. Diese Erklärungen werden gegenüber den örtlich zuständigen IHK´ s abgegeben und auch im Internet veröffentlicht. Durch die gesetzliche Einräumung der Möglichkeit, Branchenlösungen für die gleich gestellten gewerblichen Anfallstellen in Bezug auf die privaten Endverbraucher einzurichten, ließen sich die Kosten für die Verpackungsentsorgung entscheidend verringern. Der VDM konnte einen günstigen Rahmenvertrag mit DSD abschließen. Zu den gleich gestellten Anfallstellen zählen etwa die Krankenhäuser, Gastronomie, Raststätten, Pizzerien sowie die handwerklichen Bäckereien und kleinen Futtermittelbetriebe, letztere beide mit Entsorgungsbehältern von nicht größer als 1.100 l je Verpackungsfraktion im haushaltsüblichen Entleerungsrhythmus. Als Hilfestellung für die Feststellung der Mengen, die im dualen System anzumelden sind, stellt die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) im Auftrag des VDM und des DSD eine Studie her, die die entsprechenden Mengenströme analysieren wird. Wenn Mühlen das genaue Verpackungsaufkommen nicht feststellen können, können sie sich auf die Ergebnisse der Studie stützen, indem sie die dort festgestellten Quoten anwenden. Diese werden in Kürze feststehen und vom VDM an seine Mitglieder bekannt gegeben. Die Mühlen können auch die sonstigen (bei großgewerblichen Anfallstellen verbleibenden) Verpackungen über den DSD entsorgen lassen, so dass eine Entsorgungsleistung aus einer Hand besteht. Somit ist es allen Mühlen möglich, die Herausforderungen kostengünstig und einfach mit der Hilfe eines bewährten, schon lange am Markt tätigen Entsorgers als Vertragspartner meistern.
Burghard Kirsch, OStR und Leiter der Berufsgruppe Müller in der „Gewerbliche Schule Im Hoppenlau“, Stuttgart, sowie Henrich Fenner, ehemaliger Geschäftsführer des VDM und Geschäftsführer des Vereins zur Förderung der Deutschen Müllerschule Braunschweig, stellten „Die neue Ausbildung der Müller: Ausbildungsordnung, Reform der Meisterprüfungsordnung und duales Techniker-Studium“ vor. Hierdurch eröffnen sich interessante Perspektiven für die Aus- und Fortbildung, der eine ganz entscheidende Bedeutung für die Zukunftssicherung der Mühlen zukommt. Ausbildungsordnungen regeln bundeseinheitlich den betrieblichen Teil der dualen Berufsausbildung sowie die Prüfungsanforderungen und werden vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlicht. Im August 2006 trat die neue Ausbildungsverordnung für Müller in Kraft. Sie wird den stark gestiegenen Anforderungen an die Berufsausbildung gerecht. Stärker als bisher wird in der Ausbildung vermittelt, wie man High-Tech-Anlagen in Betrieb nimmt und umrüstet, Störungen im Produktionsprozess feststellt, Proben entnimmt und die Rohstoffqualität prüft, qualitätssichernde Maßnahmen anwendet, Informations- und Kommunikationstechniken beherrscht, den Umweltschutz beachtet und in Team-Arbeit eine optimale Kundenorientierung erreicht. Neben technischem Verständnis sollten die Auszubildenden auch ein gutes Reaktionsvermögen bei der Überwachung von Produktionsanlagen und -maschinen mitbringen. In den Formulierungen der neuen Ausbildungsverordnung kommt zum Ausdruck, dass ein Meister nach heutigen Anforderungen situationsbezogen auf Kundenwünsche eingehen können muss und alle dafür erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten nachweisen kann. Das neue, zusätzliche Angebot in der Müllerschule Braunschweig stellt das duale Studium für Abiturienten zum Staatlich geprüften Techniker dar. Ziel des Schulversuches ist es, Abiturienten eine attraktive Ausbildung mit Option zum Bachelor zu geben. Die Ausbildungszeit bis zum Abschluss Staatlich geprüfter Techniker wird verkürzt. Die gesamte Ausbildung erfolgt im dualen System. Während der gesamten Ausbildung finden Betriebspraktika statt. Eine Anschlussausbildung zum Bachelor, z. B. im Bereich Betriebswirtschaft, ist vorgesehen. So wird eine Bindung der Fachkräfte an die ausbildenden Betriebe erreicht. Der Betrieb schließt mit dem Abiturienten einen Vertrag über die Erstausbildung ab. Dieser beinhaltet die Möglichkeit der anschließenden Technikerausbildung im dualen System. Der Vertrag über die anschließende Technikerausbildung an der Deutschen Müllerschule Braunschweig, den der VDM entworfen hat, wird ebenfalls zwischen Betrieb und Abiturienten geschlossen. Werden beide Teile der Ausbildung durchgeführt, kann der Betrieb die Absolventen für eine angemessene Zeit vertraglich an sich binden. Während der vier Jahre zahlt der Betrieb den Abiturienten die Ausbildungsvergütung. Die Verfahrenstechnologen besuchen die Müllerschule in Wittingen oder die Schule Im Hoppenlau in Stuttgart. Es werden alle 6 Ausbildungsblöcke besucht. Die Auszubildenden nehmen an der Zwischenprüfung teil. Im Rahmen der vorgezogenen Technikerausbildung werden die Auszubildenden während des ersten Teils der Ausbildung zusätzlich zum regulären Berufsschulunterricht für insgesamt 60 Stunden zum Besuch der DMSB freigestellt. Die dadurch vorgezogenen Lerninhalte ermöglichen es, dass die Studierenden während des Studiums an der DMSB weitere 2 Wochen in den Betrieben absolvieren können.
Dr. Jens Rademacher, Deutscher Bauernverband, stellte die „Landwirtschaft 2020 – Prognosen aus pflanzenbaulicher Sicht“ dar. Der Vortrag spannte einen souveränen Bogen von einer Beschreibung der gegenwärtigen Situation zur Zukunft der Landwirtschaft im Jahr 2020. Es gilt, die Gefahren, aber auch die Chancen einer insgesamt volatileren Entwicklung des Agrarsektors zu erkennen, damit die Mühlenwirtschaft auch in Zukunft ihren hochwertigen und sicheren Rohstoff erhält. Der Pflanzenproduktion kommt in Zukunft eine zentrale Bedeutung zu. Einerseits muss die Landwirtschaft eine stetig steigende Anzahl Menschen weltweit ernähren, andererseits führen hohe Energiepreise sowie die Diskussion um den Klimaschutz dazu, dass weltweit verstärkt über Alternativen zu erdölbasierten Energieträgern nachgedacht wird. Gleichzeitig hat die Gesellschaft eine eigene Erwartungshaltung bezüglich moderner Landwirtschaft und Pflanzenproduktion. Angesichts der nicht vermehrbaren knappen Ressource Boden sorgt die Forderung nach einer extensivierten Landwirtschaft für zusätzlichen Druck in der Produktion. Die prognostizierten Zahlen der Bevölkerungsentwicklung lassen befürchten, dass die Produktion der wichtigen Kulturen auch künftig nur schwer mit der Nachfrage Schritt halten können wird. Besonders die zunehmende Nachfrage nach veredelten Fleischprodukten wird die Nachfrage nach Futtermittelrohstoffen stark beeinflussen. Dies erfordert, dass die in Mitteleuropa angebauten Pflanzen an geänderte klimatische Bedingungen angepasst werden. Nur mit Mühe ist es gelungen, überzogene Forderungen in Sachen Pflanzenschutz vom Europäischen Parlament zurück zu weisen und zu verhindern, dass große Teile der Pflanzenmittelwirkstoffe wegfallen. Der Boden ist in Zukunft möglichst effizient zu verwerten. Hier ist auch die Pflanzenzüchtung in die Pflicht zu nehmen. Wenn die Rahmenbedingungen aus ertragsstabilen und ertragreichen Sorten, effizientem Einsatz von Düngemitteln und nachhaltigem Einsatz von Pflanzen- und Vorratsschutzmitteln gegeben ist, wird die Pflanzenproduktion in Zukunft in der Lage sein, den erforderlichen Beitrag zur Ernährung zu leisten.
Dr. Hans Rudolf Forrer, Bundesforschungsanstalt Agroscope Schweiz, berichtete über „Fusa-Prog – das Schweizer Fusariumprognosesystem“. Das System ist vor allem auf die Landwirtschaft ausgerichtet und erlaubt durch eine Kombination von Wetterbeobachtung und Messungen eine bezirksgenaue Prognose des Fusarienbefallrisikos, insbesondere kurz vor der Ernte. Agroscope untersuchte von 2001 bis 2004 den Einfluss des Pflügens und der Direktsaat auf das Auftreten von Fusarien und die Belastung von Weizen mit dem Mykotoxin Deoxynivalenol (DON). Daneben klärte es auch den Einfluss der Vorfrucht und der Sortenanfälligkeit ab. Der Fusarienbefall und der DON-Gehalt waren am höchsten bei Direktsaatweizen nach Mais. Deutlich weniger Befall wurde bei Pflugweizen nach Mais sowie beim Weizenanbau (Pflug- und Direktsaat) nach anderen Vorfrüchten beobachtet. Unter anderem aus diesen Erfahrungen ließ sich ein DON-Prognosesystem erarbeiten. Für eine Parzellen-spezifische Anpassung wird der DON-Ausgangswert mit Faktoren zur Bewertung weiterer Anbaumaßnahmen korrigiert. Dabei gehören Faktoren wie das Häckseln des Strohs, die Vorkultur und die Art der Saatbeetbereitung dazu. Mit der Berücksichtigung der Anfälligkeit der angebauten Weizensorte ist ein wichtiger Anbaufaktor einbezogen, der die DON-Produktion nach erfolgter Infektion beeinflusst. Die Witterungsparameter stellen Temperatur, Niederschlag und relative Luftfeuchte dar. Hieraus lässt sich eine Risikobeurteilung erstellen. Fusa-Prog wurde für Getreideproduzenten und Berater entwickelt und eignet sich gut für die Einschätzung des Infektions- und DON-Belastungsrisikos während der Weizenblüte und damit auch zum besten zulässigen Zeitpunkt für einen Fungizideinsatz.
Dr. Joachim Holz, Landwirtschaftskammer NRW, skizzierte in seinem Vortrag „Quo vadis Weizenzüchtung – Gesundheit oder Mängel?“ die Züchtungserfolge der letzten Jahre in NRW und erläuterte Gründe für die abflachende Ertragsentwicklung beim Weizenanbau. Zunächst betrachtete er die historische Entwicklung der Weizenernteerträge. Auf der Grundlage der Statistiken des Statistischen Bundesamtes lassen sich Ertragszunahmen errechnen, die im Durchschnitt eine jährliche Ertragszunahme des Winterweizens von 0,98 dt/ha ermitteln, gegenüber allen anderen Getreidearten die höchste. Allerdings ist vor etwa 10 bis 12 Jahren ein Wendepunkt erreicht worden, an dem nur noch eine sehr flache, fast stagnierende Entwicklung festzustellen ist. Die Fokussierung der Züchtung auf Gesundheit und Qualität hat einen geringen Ertragsfortschritt zur Folge. Bei einem akzeptierbaren Pflanzenschutzeinsatz vor dem Hintergrund der mittlerweile scharfen gesetzlich fixierten Zulassungs- und Einsatzbestimmungen eröffnet sich für die Züchtung die Möglichkeit, nicht mehr hinter jeder etwas besseren Gesundheit hinterher zu züchten, sondern den Ertrag wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Die mittels gentechnischer Verfahren durchführbare „leichtere“ Implementierung von zielgerichteten Gesundheits- und Qualitätsmerkmalen in Weizensorten würde der konventionellen Weizenzüchtung die Möglichkeit verschaffen, sich verstärkt der Ertragszüchtung zuzuwenden. Entsprechende Züchtungsfortschritte wären dann deutlicher und schneller erzielbar. Der Referent hat damit eine überraschend klare, positive Beurteilung zur Gentechnik abgegeben.
Hubert Boxler, Bühler AG, beschäftigte sich mit der „Reduzierung verschiedener Getreidekontaminanten – Vergleich der Techniken“. Er machte deutlich, an welchen Stellen Mühlen nach aktuellem Stand der Technik die verschiedenen Kontaminanten am besten in den Griff bekommen und stellte Messungen zum Grad der Reduzierung vor. In den vergangenen Jahren hat sich auch die Verfahrenstechnik der Getreideverarbeitung in diesem Punkt weiter entwickelt. Ziel war dabei eine Vereinfachung der Diagramme in der Reinigung verbunden mit der Verkleinerung des Maschinenparks. Dazu sollte aber auch die Qualität der Endprodukte im Hinblick auf die Schadstoffbelastung und Reinheit verbessert werden. Schließlich wurde mit Blick auf geänderte Rohstoffpreise eine Optimierung der Ausbeute durch eine schärfere Trennung der Reinigungsabgänge angestrebt. Als gravierende Neuerung kann die optische Farbeauslese angesehen werden. Ursprünglich in erster Linie in der Roggenreinigung zur Mutterkornauslese eingesetzt, hat sich diese Maschine auch bei anderen Getreidearten fest etabliert. Für die Schwarzreinigung wurde der neue Leichtkornausleser entwickelt, der bei einer deutlich höheren Durchsatzleistung gegenüber dem Sortiertisch eine sehr scharfe Trennung zwischen verwertbaren Körnern sowie dem Schmachtkorn und fusariengeschädigten Besatz erreicht. Hierdurch wird eine DON-Reduzierung erreicht. Hinsichtlich der Kornoberfläche wurden früher mehrere Scheuerstufen in der Reinigung eingesetzt. Diese haben die Schale weitgehend erhalten. Eine deutlich stärkere Bearbeitung brachte vor einigen Jahren der Peeling-Prozess. Hierbei wird das Korn kurzfristig aufgenetzt und dann die oberen Fruchtschalen durch Reibung der Körner untereinander abgeschält. Diese Verarbeitung ist kraftintensiv und durch die Durchsatzleistung einer Maschine begrenzt. Mit der Entwicklung des Light-Peelings wurden diese Nachteile minimiert. Hierbei wird zugleich eine deutliche Schadstoffminderung erreicht. In der Durum-Müllerei wurde zudem das Schleifen (Pearling) mittels Schleifmaschinen entwickelt, die mit Steinen ausgerüstet sind. Hiermit kann ein deutlich höherer Schleifgrad des Kornes bis zu 8 % erreicht werden. Nur der Kornspalt wird nicht erfasst. Die Grenze des wirtschaftlichen Schälgrades ist erreicht, wenn der Endospermbereich mit angegriffen wird. Welcher Prozess zur Oberflächenbehandlung in der Weißreinigung dann zum Einsatz kommt, richtet sich nach der Ausgangsbelastung des Rohstoffes und den Anforderungen an die Endprodukte.
Dr.-Ing. Klaus Münzing, Max Rubner-Institut Detmold, zeigte in seinem ebenso verständlichen wie mitreißenden Vortrag „Gesund und handelsüblich – Geruch und andere Qualitätsparameter bei Getreide“ auf, wie wichtig die herkömmlichen, sensorischen Prüfungen des Getreides auch heute noch im Müllerberuf sind. Die erste Eingangskontrolle ist das A und O zur Sicherstellung eines hochwertigen Endproduktes – und zur Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten. Es ist zu beachten, dass unerwünschte Beschaffenheiten der Getreidepartien im Wareneingang oft besser, müheloser und sicherer zu erkennen sind als in den nachfolgenden Stufen der Verarbeitung. Die Eigenverantwortlichkeit der Mühlen ist hierbei produkthaftungsrechtlich gefordert. Daher sollten die in der Getreidewertschöpfungskette betriebseigenen Kontrollen nach anerkannten und einheitlichen Methoden von Anfang an durchgeführt werden. Dies gilt eben auch für die Prüfung der äußeren Beschaffenheit des Getreides (Geruch und Besatz). Zur Feststellung des Status „gesund und handelsüblich“ wird die sensorische Methode (Standardmethoden für Getreide, Mehl und Brot der Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung) angewandt. Auch für die visuelle Besatzbestimmung existieren verbindliche ISO- oder ICC-Arbeitsvorschriften. Das Gesamtspektrum der Hygienerisiken ist zu beachten. Der vorhandene Schwarzbesatz, wie pilzgeschädigte, verdorbene Körner, Mutterkorn, Staub und andere Verunreinigungen wie Steine, Sand, Erdklumpen, Glassplitter, Tierexkremente, lebende oder tote Insekten, liefert wichtige Hinweise für die einzuleitende Qualitätslenkungsmaßnahmen. Nach den vorgestellten Erfahrungen kann die Rohgetreidesensorik als ein Instrument der betrieblichen Absicherung einen weitaus höheren Stellenwert erlangen als bisweilen erkannt. Die Sensorik trägt außerdem dazu bei, hochwertige Lebensmittel mit hoher Verbraucherpräferenz herzustellen. Sie schafft Transparenz und verifiziert Daten, die für das Qualitätsmanagement zur Verfügung stehen. Die sensorische Methode zur Charakterisierung der Qualität oder der Qualitätsfehler kann Kosten, Fehler, Verzögerungen und Korrekturen reduzieren, die Nutzung der betrieblichen Ressourcen verbessern und Imageschäden vermeiden, wenn rechtzeitig gehandelt wird!
Alle Teilnehmer waren von der Veranstaltung sehr angetan, die wiederum im Hotel Maritim am Schlossgarten in Fulda stattfand. Der traditionelle Müllerstammtisch am Vorabend bot wieder Müllern, Ausstellern und Referenten die Gelegenheit zum offenen und ungezwungenen Austausch über die Fachfragen und Fachangebote. Jeder Teilnehmer konnte positive Anregungen und vielfältiges Wissen von der Veranstaltung mit nach Hause nehmen - und sich nicht zuletzt auf die nächste Mühlenfachtagung freuen, die wieder in der Woche nach Karneval in Fulda stattfindet.


