Verband Deutscher Mühlen
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VDM-Mitgliederversammlung 2009 in Lüneburg

09.05.2009

Zukunftsweisende Beschlüsse zur PR-Arbeit – Wahl eines neuen Vorstandsmitglieds – VDM-Ehrenpreis an Hans Cramer

Dr. Bernd Rödl

Frau Prof. Dr. Ute Höper-Schmidt

VDM-Vorsitzender Hans-Christoph Erling

Die Sieger des Praktischen Leistungswettbewerbs

Blick ins Auditorium

Hans-Cramer (links), Hans-Christoph Erling (rechts)

Die diesjährige Mitgliederversammlung des Verbandes Deutscher Mühlen (VDM) fand unter sehr guter Beteiligung und bei strahlendem Sonnenschein am 8./9. Mai in Lüneburg statt.

Der VDM-Vorsitzende Hans-Christoph Erling (Bremen) konnte in seiner Ansprache Müller aus allen Teilen Deutschlands begrüßen. Er hob wichtige Ereignisse für die deutsche Müllerei des letzten Jahres hervor: So hat die Müllerei durch gemeinsames Handeln einen Sieg im Bundesverfassungsgerichtsverfahren über die Zukunft des Absatzfonds erlangt. Kaum jemand hatte mit einem Urteil in dieser Klarheit gerechnet. Zugleich bedeutet dies eine große Herausforderung für die Branche, die Öffentlichkeitsarbeit nunmehr zur Gänze selbst in die Hand zu nehmen. Die Mühlen sind zu einem entscheidenden Teil selbst verantwortlich für das Bild, das die Öffentlichkeit von der Müllerei hat. Nur wenn sie von der Politik und den Medien wahrgenommen wird, kann sie auch den entsprechenden Einfluss auf Gesetzesvorhaben nehmen, auf den Wert der Vermahlungsprodukte hinweisen und junge Menschen für die Müllerei als wichtigen und modernen Baustein für die Ernährung des Menschen begeistern. Von daher ist die PR-Arbeit wie eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der Mühlenbetriebe zu betrachten. Herr Erling appellierte an die Geschlossenheit der Branche: nur wenn alle mitmachen, kann diese Arbeit gemeinsam ge¬stemmt werden. Trittbrettfahrerei wird hingegen zu einem großen Schaden für die Müllerei füh¬ren.

Im Zusammenhang mit den gefallenen Getreidepreisen wandte er sich gegen Spekulationen auf einen weiteren Rückgang. Was die Müllerei vielmehr braucht, sind Visionen, sind engagierte Unternehmen, die konstruktiv an der Zukunft der Branche arbeiten. Und der Strukturwandel in der Mühlenwirtschaft erfordert die Anpassung an die sich verändernden Strukturen der Lieferanten wie auch der Kunden. Nur, wenn die Strukturen zusammen passen, wird die Branche stark bleiben.

Schließlich stellte er noch einmal die Wichtigkeit der Verbandsarbeit für die gesamte Branche heraus: in der Medien werden die Mühlen mehr und mehr wahrgenommen, der fachliche Rat ist in den Ministerien gefragt, und auch die Verbände der vor- und nachgelagerten Stufen legen Wert auf das Urteil der Mühlen. Der Verband Deutscher Mühlen eröffnet im Sommer einen Stützpunkt in Berlin, nicht weit vom Reichstag. Er wird einen notwendigen und wichtigen Teil in der Interessenvertretung gegenüber der Politik beitragen. Mit Herrn Dr. Peter Haarbeck wird ein Geschäftsführer, vormals im Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels in Berlin tätig, die Leitung des Hauptstadtbüros übernehmen. Er ist Agrarwissenschaftler und hat durch seine langjährige Verbandserfahrung gute Kontakte zur Politik und zu den Ministerien. Herr Erling hieß ihn herzlich im Verband willkommen.

In seinem Geschäftsbericht ging Hauptgeschäftsführer Manfred Weizbauer auf die Arbeits¬schwerpunkte des letzten Jahres ein, von denen die Verbandsaktivitäten primär geleitet wurden: Das Image der Müllerei ist zu verbessern, indem sie als moderne Branche in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt. In der breiten Bevölkerung muss die Müllerei noch mehr als notwendiges und wichtiges Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Backgewerbe wahrgenommen werden. Dies ist nicht nur aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten wichtig, sondern wird auch der Produk¬tion eines der gesündesten und wichtigsten Lebensmittel geschuldet. Gerade um in der Öffentlichkeit und in der Politik die notwendige Wahrnehmung zu erfahren, muss in geeigneter Weise auf die hohe Bedeutung der Müllerei hingewiesen werden. Dabei sind in der letzten Zeit schon zahlreiche Verbesserungen erreicht worden, u. a. durch PR-Aktivitäten in Zusammenarbeit mit der GMF und der MediaCompany. Ein vergrößertes Medienecho belegt diesen Erfolg. Im Sommer 2008 fand eine Pressekonferenz in Berlin statt. Parlamentarische Abende in Berlin und Brüssel und eine Intensivierung der Kontakte zu den Behörden gehörten ebenfalls dazu.

Nach dem Urteil über das Absatzfondsgesetz ist nunmehr die Chance zu ergreifen, die Müllerei einer noch stärkeren Wahrnehmung zuzuführen: Es gehören zeitgemäße Materialien zur Verfügung gestellt, mit denen die Betriebe ihre Öffentlichkeitsarbeit noch effektiver gestalten können und Journalisten, Politiker, Meinungsbildner, Mediziner, Ernährungsberater, aber auch Schüler, Lehrer, Bäcker und andere Kunden die Möglichkeit erhalten, sich zeitgemäß und umfassend über die Müllerei zu informieren. Dazu gehören notwendigerweise ein professionelles Bildarchiv, aktuelle Grafiken, interessante Broschüren und Filmmaterial. Zudem sollten die sich aus dem Wegfall der CMA ergebenden Chancen nicht gering geschätzt werden: Nun kann die deutsche Herkunft der Mahlerzeugnisse herausgestellt werden, ebenso wie die besonderen Leistungen der Müllerei und die Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, bei der die Getreideprodukte eine herausragende Bedeutung haben. Auch qualifizierte Mitarbeiter gewinnt die Müllerei nur bei einem positiven Branchen- und Produktimage. Angesichts der demografischen Entwicklung wird dies in Zukunft die Branche immer mehr fordern. Mit einem modernen Berufsbild, attraktiven Weiterbildungsmöglichkeiten – insbesondere für Abiturienten – und der in kürze aktualisierten Meisterprüfungsordnung hat der Verband zukunftsträchtige Rahmenbedingungen geschaffen, die nun auch ausgeschöpft werden müssen. Die berufliche Aus- und Weiterbildung ist eine Daueraufgabe, die ein großes Engagement erfordert.

Für die Wettbewerbsfähigkeit der Mühlen ist es von entscheidender Bedeutung, kontinuierlich über Trends in vor- und nachgelagerten Stufen zu berichten und frühzeitig auf Entwicklungen in der Politik hinzuweisen, die negative Folgen haben könnten. Auch für die jetzige konjunkturelle Situation sah Herr Weizbauer die Müllerei in der Lage, diese bravourös zu meistern. Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen ist es der Ernähungswirtschaft insgesamt gelungen, den Absatz deutlich zu steigern. In Deutschland werden rd. 20 % mehr Mehl verarbeitet als noch vor 30 Jahren. Dies ist auf gemeinsame Anstrengungen der Müllerei und der Kunden zurück zu führen. Immer mehr Mehl wird auch außerhalb des klassischen Backwarensektors verwendet, ob in der Lebensmittelindustrie oder im technischen Sektor. Die Branche hat durch Kreativität und Erfindungsreichtum neue Märkte erschlossen und bestehende entwickelt. Hieran gilt es anzuknüpfen. Um die Zukunft zu meistern, hat der VDM im letzten Jahr die Kooperation mit der Wissenschaft in einem Beirat institutionalisiert. Das im Herbst 2008 erstmals veranstaltete Wissenschaftliche Symposium war ein Beleg für den gegenseitigen Nutzen für Wissenschaft und Praxis.

Weiteres Thema war die Rechtsetzung auf EU-, Bundes- und Landesebene, die immer neue bürokratische Hürden für die Praxis aufstellt. Der Erfolg der Verbandsarbeit wird dabei meist erst langfristig sichtbar, wie beim Thema Pflanzen- und Vorratsschutz: Nachdem seit einiger Zeit Methylbromid im Vorratsschutz nicht mehr zur Verfügung steht, wäre nach den ursprünglichen Plänen für rd. zwei Drittel aller Wirkstoffe die Zulassung in den nächsten 10 Jahren ausgelaufen. Dies war durch gemeinsame Anstrengungen zu verhindern. Bei Mutterkorn und den Fusarien T-2 und HT-2 konnten die Entscheidungsträger vom noch erheblichen Forschungsbedarf überzeugt werden. Schließlich konnte das Werbeverbot für gesundes deutsches Brot wegen des Salzgehaltes, insbesondere in Roggen- und Vollkornbroten, mit vereinten Kräften verhindert werden. Obwohl Grundnahrungsmittel in der EU so sicher sind wie noch nie, sieht die Kommission hier einen unverhältnismäßigen Regulierungsbedarf.

Der Service für die VDM-Mitglieder hat sich im letzten Jahr noch einmal gesteigert. Ein gelungenes Beispiel hierfür ist das Verbandsangebot zur Erfüllung der Verpackungsverordnung. Hier hat der Gesetzgeber eine höchst bürokratische Regelung getroffen. Es gilt nun das Verursacherprinzip. Der VDM hat nach zähen Verhandlungen und sorgfältigen Vergleichen der Wettbewerber mit dem Grünen Punkt einen Rahmenvertrag abgeschlossen, der die Entsorgung zu weniger als die Hälfte der bisherigen Kosten ermöglicht. Außerdem werden Hilfen bei der Erfüllung der Meldepflichten gegeben. Um die Verwertungsnachweise erbringen zu können, hat der VDM ein Gutachten bei der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung in Auftrag gegeben, das in Kürze entsprechende Quoten ermitteln wird, auf die sich dann auch die Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei der Erstellung von Vollständigkeitserklärungen stützen können. Dies bedeutet Einsparung von Arbeitszeit und Kosten. Auch im Bereich QS konnten wesentliche Verbesserungen in intensiven Verhandlungen erreicht werden: Die Leistungen der Mühlen im Rahmen des Europäischen Getreidemonitorings werden angerechnet und führen zu einer Halbierung des Probenumfangs. Die Untersuchungen auf Dioxin entfallen in der Regel gänzlich. Die Kosten werden auf ein Minimum gesenkt, wenn die Auditierung für QS im Rahmen anderer Audits (z. B. IFS) erfolgt.

Danach ehrte der Vorsitzende Herrn Hans Cramer, der nach vielen Jahren der Mitgliedschaft aus dem Vorstand ausschied. Erling, dankte ihm für sein Jahrzehnte langes, vorbildliches Engagement für die Müllerei. Cramer gehörte seit mehr als 20 Jahren dem Vorstand des Verbandes Deutscher Mühlen und dessen Vorgängerorganisation an. Er hat sich durch seine Arbeit großen Respekt bei allen Mühlen erworben. Er überreichte ihm in besonderer Anerkennung seines Einsatzes das neu geschaf¬fene VDM-Ehrenzeichen in Form einer Walze mit gravierter persönlicher Widmung, welches dauerhaft an diese Ehrung erinnert.

In den Vorstand wurde einstimmig Dietmar Öchsner, Schweinfurt, gewählt.

Ebenfalls fanden Wahlen zu den Kommissionen des Verbandes statt: In die Kommission für Betriebswirtschaft und Versicherung wurde Herr Nicolai Kohl aus Schweinfurt gewählt. Adolf Fronhofer (Aichach), Eduard Haidl (Hamburg) und Jens Hubricht (Dresden) wurden in die Kommission für Getreide und Futtermittel gewählt. In die Kommission für Lebensmittelrecht und -sicherheit wurden Martin Amend (Bad Langensalza), Michael Hemmer (Landshut), Jens Hubricht (Dresden) sowie Michael Schmidts (Neuss) gewählt. Alle Wahlen erfolgten einstimmig. Der Vorsitzende dankte allen Kommissions¬mitgliedern für ihr Engagement und ihre Arbeit, die für die gesamte Mühlenwirtschaft von Vorteil ist und betonte noch einmal den hohen Stellenwert der Sacharbeit in den Kommissionen für die Müllerei. Dies bleibt eine fort währende Herausforderung für alle Müllerexperten.

Sodann stand die Beschlussfassung über PR-Aktivitäten für Mühlen und Mehl sowie deren Finanzierung zur Entscheidung an. Herr Weizbauer stellte ein PR-Grundmaßnahmenpaket vor. Mit deutlich weniger als 10 % der bisherigen Absatzfondsabgabe kann den Mühlenerfordernissen Rechnung getragen werden. Die Mitgliederversammlung beschloss einstimmig, zur Förderung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die deutsche Mühlenwirtschaft und zur Finanzierung der PR-Aktivitäten für die Branche in den Jahren 2009 und 2010 einen ausreichenden PR-Beitrag. Er errechnet sich je Tonne vermahlenes Getreide, so dass kein Mitglied unverhältnismäßig belastet wird - ein ausdrücklicher Hinweis auf die Solidarität in der Branche. Über konkrete Maßnahmen wird zur gegebenen Zeit beraten und entschieden, möglicherweise in einer eigenen Mitgliederversammlung. Für spezielle Aktivitäten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und der Absatzförderung können sich interessierte Mühlen zu Fachabteilungen innerhalb des VDM zusammenschließen. Derartige Segmente können beispielsweise ein Qualitätsgemeinschaft deutscher Mühlen, eine Absatzfördergesellschaft für Haushaltsmehle, eine Werbegemeinschaft Mühlenladen oder auch eine Interessengemeinschaft Deutscher Mühlentag/Tag der offenen Tür sein. Den Mühlen ist es mit diesen zukunftsweisenden Beschlüssen gelungen, die Voraussetzungen für eine effektive und mühlenspezifische PR-Arbeit zu setzen und die durch den Wegfall des Absatzfondsgesetzes bedingte Herausforderung einer eigenen, umfassenden Öffentlichkeits-Arbeit für die Mühlen zu bewältigen.

Im öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung ehrte der Vorsitzende anschließend die diesjährigen Gewinner des Praktischen Leistungswettbewerbs unter den besten Gesellinnen und Gesellen aus allen Bundesländern. Er zeichnete Herrn Erik Becker (Sessler GmbH, Renningen, Baden-Württemberg) und Roland Kapsreiter (Willa-Mehl GmbH, Johanniskirchen, Bayern) für deren besondere Leistungen aus.

Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer Dr. Bernd Rödl von der international renommierten Wirtschaftskanzlei Rödl und Partner zeigte in seinem Vortrag „Unternehmensnachfolgen professionell managen – Gestaltungsspielräume nutzen“ die rechtlichen und praktischen Möglichkeiten einer möglichst günstigen Unternehmensnachfolge aus Sicht der Mühlen. Er zeigte dabei Handlungsspielräume auf, die durch das neue Erbschaftsrecht gegeben werden und konnte dies an Beispielen, die sich an der Praxis orientierten, eindrucksvoll darstellen. Die zahlreichen interessierten Nachfragen und Diskussionen nach dem Vortrag zeigten, wie wichtig die Behandlung dieses Themas ist.

Im Anschluss daran stellte Frau Prof. Dr. Ute Höper Schmidt von der Hochschule Anhalt, Bernburg, eine Analyse zur Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs der Mühlenwirtschaft dar. Sie wies in eindrücklichen Statistiken nach, wie gut der Wettbewerb der Mühlenwirtschaft funktioniert. Entgegen anders lautenden Aussagen findet ein reger Wettbewerb statt und es ist keine Konzentration erkennbar, die wirksamen Wettbewerb behindern würde. Sie zeigte dabei auch die deutlichen Strukturunterschiede in den einzelnen Bundesländern auf sowie den Erzeugerpreisindex für Brotweizen und den Mühlenabgabepreis für Weizenmehl von 2000 bis 2008, wobei letzterer bei weitem nicht den gestiegenen Weizenpreisen bis zum Jahreswechsel 2008 standhielt. Auch diesem Vortrag folgte eine intensive Diskussion, die das große Interesse an dem Thema und den Analyseergebnissen zeigte.

Die diesjährige VDM-Mitgliederversammlung war ein voller Erfolg, dem die wunderschöne Stadt Lüneburg einen würdigen Rahmen gab und der von einem attraktiven Rahmenprogramm begleitet wurde. Dies weckt Vorfreude auf die nächste Mitgliederversammlung 2010 in Potsdam.


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